Julian Schieber in Schladming, Foto: Hertha BSC

Julian Schieber will wieder gebraucht werden

Stürmer Julian Schieber ist zu Hertha BSC gewechselt, um Spielpraxis zu sammeln. Die Chancen stehen gut, die Berliner scheinen auf den ehemaligen Dortmunder zu setzen.

Es gibt wohl kaum einen Fußballer, der in der vergangenen Saison gern mit Julian Schieber getauscht hätte. Wenn man alle Parameter einbezieht, konnte sich der Mittelstürmer natürlich nicht beschweren: Bei einem hochkarätigen Klub wie Borussia Dortmund von den oberen Tabellenplätzen entspannt abwärts zu blicken und dazu noch Einsätze in der Champions League zu bekommen, klingt zunächst einmal wie der Traum eines jeden Jungen, der einmal Fußball-Profi werden möchte.

Doch wie entwickelt man sich in so einem Klub, wenn man mit dem aktuell besten Mittelstürmer der gesamten Bundesliga konkurrieren muss? „Robert Lewandowski war der Iron-Man, hat immer erstklassig gespielt, hatte nie eine Blessur“, sagt Schieber. Da blieb dem gebürtigen Backnanger nur die Reservistenrolle. Das war nicht so ein schönes Gefühl, ich will das Gefühl, gebraucht zu werden“, sagt er.

Bei Hertha BSC möchte er nun wieder Spielpraxis sammeln. Und die Berliner, die den 1,86-Meter-Mann für 2,5 Millionen Euro Ablöse an die Spree holten, scheinen auch auf ihn zu setzen. So klingt es zumindest aus den Äußerungen Jos Luhukays hervor. Als er Cheftrainer im Trainingslager im österreichischen Schladming die neue 3:4:3-Formation erklärte, sagte er zum Beispiel: „Wir haben jetzt zwischen dem defensiven Mittelfeld und Julian zwei Spieler, die variabler sind.“ Schieber scheint also momentan der erste Name zu sein, der Luhukay einfällt, wenn er an den Sturm der Herthaner denkt. Nicht Sandro Wagner und auch nicht der dritte Stürmer, der noch verpflichtet werden soll. „Es wäre natürlich schön, wenn das so wäre“, sagt Schieber. Seinem Selbstbewusstsein, das in Dortmund etwas gelitten hat, täte das zumindest gut.

Vom Gartenbauer zum Profi-Fußballer

Schieber kam erst verhältnismäßig spät mit dem Profi-Fußball in Berührung. Erst in der A-Jugend wechselte er vom TSG Backnang zum VfB Stuttgart. Da hatte er bereits ein Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer angefangen hatte, schließlich konnte er ja nicht ahnen, dass er sich schon bald als Profi-Fußballer durchsetzen würde. Dann aber ging alles ganz schnell, von der Jugend zu den Amateuren und schließlich in die erste Liga mit den Stuttgartern. Das Fachabitur absolvierte er nebenbei. Vielleicht wirkt er auch deshalb so zurückhaltend. Im Interview jedenfalls spricht Schieber teilweise so leise, dass man sich weit zu ihm herüberbeugen muss, um ihn zu verstehen. „Die Zeit ist so schnell vergangen, jetzt bin ich schon 25“, sagt er.

Angefangen Fußball zu spielen hat Schieber als Fünfjähriger beim SV Unterweissach und schon jetzt ist ihm klar, dass er dorthin einmal zurückkehren möchte. „Zumindest kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass ich nach meiner Karriere nicht Manager oder Trainer von einem großen Verein sein will“, sagt er. Lieber möchte er der Welt des Profi-Fußballs irgendwann den Rücken zukehren, die er als „Haifischbecken“ bezeichnet.

Jetzt gilt seine Konzentration aber zunächst seinem neuen Klub. „Ich habe für vier Jahre bei Hertha BSC unterschrieben, das soll schon etwas längerfristiges sein“, sagt er. Ein Haus in Zehlendorf hat er schon gefunden, nur muss er noch auf die Fertigstellung warten. Mit seiner Freundin, dem neugeborenen Sohn und dem Hund wohnt er momentan in einem Appartement. „Das ist schon etwas stressig“, gibt er zu.

Fehlende Aquariumliebhaber

Besonders freut er sich darauf, sein Aquarium aufzubauen. Seit er 1998 zu Weihnachten zum ersten Mal eines geschenkt bekommen hat, ist Schieber nämlich absoluter Liebhaber von Zierfischen und Aquarien. „Ich bin hier im Verein schon auf Unverständnis gestoßen“, sagt er. Dabei hatte er gehofft, Gleichgesinnte zu finden. „Aber die machen sich alle nur über mich lustig. Komisch, ich hätte gedacht, das sei normal.“

Aber was ist schon normal im Leben eines Profi-Fußballers? Schieber hätte zum Beispiel gern mal ein Auslandsjahr gemacht, wie es für viele seiner Freunde Usus war. „Frei und sorglos, ein bis zwei Jahre um die Welt zu reisen, so wie es meine Freunde mit 19 Jahren gemacht haben, das wird wohl für immer ein Traum bleiben“, sagt er. Nichtdestotrotz freue er sich, dass er sein Hobby zum Beruf machen konnte, gibt er zu. „Am Ende“, sagt er, „würde ich nicht tauschen wollen.“

Foto: Hertha BSC

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