Mehr als nur ein Abenteuer

Die Fußballerinnen vom 1.FC Lübars haben die Meisterschaft der Bundesliga Nord gewonnen. Aufsteigen können sie aber nicht. Deshalb wagen sie jetzt ein großes Projekt.

Hätte es bei der Mitgliederversammlung von Hertha BSC am Dienstag ein Applausometer gegeben, wäre darauf mindestens zwei Mal ein gewaltiger Ausschlag zu erkennen gewesen. Einen Publikumserfolg konnte Hertha-Trainer Pal Dardai feiern, als er sich bei den Fans für die Unterstützung bedankte. Für die zweite Schallpegelerhöhung sorgte Präsidiumsmitglied Renate Dömer, als sie verkündete, Herthas Frauen hätte vor einer Woche 6:1 gegen den Lokalrivalen 1.FC Union gewonnen.

Mit Genugtuung nahmen die Mitglieder diese Nachricht entgegen, hatten sie doch mit den Profis schon lange kein solches Ergebnis gegen egal wen mehr feiern dürfen. Dazu muss man aber sagen, dass die Frauen in der Zweiten Liga spielen. Am Montag sicherten sie sich zwar mit einem 3:1 gegen den FFV Leipzig die Meisterschaft, doch trotz des sportlichen Erfolgs kann die Mannschaft nicht in die Bundesliga aufsteigen.

Projekt Hauptstadtklub für Frauenfußball

Der Verein hat sich dagegen entschieden ¬ allerdings nicht Hertha BSC, sondern der 1.FC Lübars. Dort spielen die erfolgreichen Frauen, die aufgrund einer Kooperation die Trikots von Hertha BSC tragen. „Mit der Entscheidung gegen den Aufstieg haben wir uns nicht nur Freunde gemacht, aber die Bundesliga soll nicht nur ein Abenteuer sein, das am Ende frustriert“, sagt Andre Eggert, Abteilungsleiter Frauenfußball beim 1. FC Lübars.

Reihenweise Zweitligisten sah er in den vergangenen Jahren am Projekt Bundesliga scheitern. „Wir wollen die ersten sein, die nicht nur aufsteigen sondern die Liga halten“, sagt er. Das Projekt sei aber zum jetzigen Zeitpunkt weder finanziell noch strukturell zu stemmen. Um sich dauerhaft zu etablieren, müsste der Etat, der sich für die zweite Liga auf 300.000 Euro beläuft auf 750.000 Euro angehoben werden, glaubt Eggert.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Verantwortlichen entschieden, sich von Lübars, wo schon seit 47 Jahren Frauenfußball gespielt wird, zu lösen. „Wir müssen hier ausbrechen, um die Hauptstadt auf uns aufmerksam zu machen“, sagt Eggert. Zur Saison 2016/17 sollen alle Teams, darunter auch E-, D-, C- und B-Mädchen sowie die Berlin-Liga-Mannschaft in den neu gegründeten Berliner FFC übergehen. Ein Hauptstadtklub für Frauenfußball soll entstehen, um neue Partner zu gewinnen, und die Strukturen für eine Bundesliga-Mannschaft zu schaffen.

Die Kooperation mit Hertha endet

Einige Kooperation wurden schon gestartet, so fand am 30. Mai  im Rahmen der Eröffnung des Leistungszentrum der Füchse in Reinickendorf ein Freundschaftskick zwischen den Lübarserinnen und den Profi-Handballern der Füchsen statt. Am31. Mai folgt ein Benefizspiel, bei dem unter anderem der ehemalige Herthaner Maik Franz mitwirkt (14 Uhr, Stadion Finsterwalder Straße).

Die Kooperation mit Hertha BSC endet am 30. Juni 2016. Warum man den Frauen nicht bei Hertha eine offene Tür biete, wurde Präsident Werner Gegenbauer am Dienstag von einem Vereinsmitglied gefragt. Gegenbauer reagierte etwas gereizt. Es habe mehrere Sitzungen gegeben, in denen auch von Mitgliedern die Entscheidung begrüßt worden sei, keine neue Abteilung aufzumachen, sagte er, ergänzte dann aber: „Wenn die Damen jetzt kämen und eine Anfrage stellen würden, wäre unsere Tür für Gespräche offen.“ Den Schallpegel im Saal beeinflusste er mit dieser vagen Aussage aber nicht.

Foto: Henschel Media

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