Mit den Rebels in Rente

Darius Outlaw hat sich eine kleine Frechheit erlaubt. Eigentlich war es sogar eine ziemlich große, denn im vergangenen Jahr wechselte der US-amerikanische Footballer von den Berlin Rebels zu den Berlin Adlern.

Das muss man sich in ungefähr so vorstellen, als ob der beliebteste Fußballer des 1.FC Union Berlin zu Hertha BSC wechseln würde. Aber eigentlich ist es noch schlimmer, waren doch die Männer in Schwarz und Silber einst als zweite Mannschaft der Adler aktiv, bevor sie sich 1987 als eigenständiges Football-Team abspalteten und fortan Rebels nannten. Seit 2009 spielen beide rivalisierenden Klubs in der höchsten Spielklasse Deutschlands, der German Football League (GFL).

Dort zogen die Rebels stets den Kürzeren im Kampf um die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft. Nur die vier besten Mannschaften aus Liga Nord und Liga Süd dürfen in die Play-offs einziehen, den Rebels ist das bislang noch nie gelungen. In dieser Saison soll sich das Blatt aber wenden. „Mein Traum ist es, die Rebels zum ersten Mal in die Play-offs zu führen“, sagt Outlaw. Nach einer Spielzeit bei der Konkurrenz ist der Spielmacher nämlich nach Charlottenburg zurückgekehrt.

Zu kurz gedacht

Mit den Adlern feierte Outlaw im vergangenen Jahr den größten Erfolg seiner Karriere. Im BIG 6, dem Kräftemessen der sechs besten europäischen Mannschaften, holte er mit den Berlinern den Titel. Kurz danach zwang die finanzielle Situation den Klub aber in die Knie. Zu groß waren die Investitionen, die man getätigt hatte, um diesen Triumph zu erlangen. „Sie haben einfach nicht über die zweite Hälfte der Saison nachgedacht“, sagt Outlaw, der noch immer auf Teile seines Gehalts wartet.

Nur eine öffentliche Spendensammelaktion half den Adlern, wieder ein Profi-Team auf die Beine zu stellen. Die Auswirkungen der finanziellen Krise sind aber deutlich spürbar, so konnte der Europapokalsieger in dieser Saison noch kein einziges Spiel gewinnen. Wenn die beiden Teams sich am 20. Juni im sogenannten Berlin Bowl gegenüberstehen (18 Uhr, Mommsenstadion), sind die Rebels zum ersten Mal der Favorit, und das liegt nicht zuletzt an Darius Outlaw.

Überrascht und erleichtert

Als der Anruf der Rebels kam sei er genauso so überrascht wie erleichtert gewesen, sagt Outlaw. Er hatte angenommen, die Verbindung zu dem Klub, bei dem er von 2009-2014 unter Vertrag stand, sei durch seinen Wechsel gerissen. Doch da unterschätzte der 1,90 Meter große US-Amerikaner seinen Wert. Darius Outlaw ist so ziemlich der wichtigste Spieler in dem knapp 60 Athleten umfassenden Kader. Als Quarterback ist er der Lenker des Offensivspiels. Seine Aufgabe es ist, das eiförmige Spielgerät entweder selbst oder durch Pässe zu seinen Mitspielern in die gegnerische Endzone zu transportieren.

Hinzu kommt, dass Outlaw in Amerika eine Ausbildung genossen hat, von der die deutschen Nachwuchssportler nur träumen. In den USA ist Football Nationalsport Nummer eins, in über 60 Colleges werden die Athleten zu Profis geformt. „Das kann man mit Deutschland überhaupt nicht vergleichen“, sagt Outlaw.

Darius Outlaw
Hat sogar seine alte Trikotnummer zurück bekommen: Darius Outlaw

Knapp vorbei an der NFL

Nur drei Prozent schaffen aber den Sprung in die Profiliga NFL. Auch Outlaw scheiterte knapp. Aufgrund von Missverständnissen verpasste er eine Einladung zum großen NFL-Combine in Indianapolis, wohin die besten College-Footballspieler des Landes eingeladen werden. „Dann war ich raus“, sagt er. Outlaw haderte eine Weile mit seinem Schicksal, doch dann erhielt er einen Anruf vom Trainer der Hamburg Huskies und wechselte 2004 nach Deutschland. Viele GFL-Teams holen sich für die Schlüsselpositionen Spieler aus den USA. Für den Amerikaner war das eine Chance, seinen Sport weiterhin auf hohem Niveau zu betreiben, denn außerhalb der NFL existieren nur wenig angesehene Freizeitligen.

„Außerhalb der USA hat Deutschland die beste Liga, außerdem hat sie NFL Europe damals gezogen“, sagt Outlaw. Seit 1995 sorgte der europäische Ableger der NFL auch in Deutschland für Begeisterung. 2007 wurde der Ligabetrieb aber aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Seitdem haben es die deutschen Footballer schwer, Aufmerksamkeit zu generieren. Das ist auch der Grund, warum Outlaw neben dem Sport, der zwischen April und Oktober alleine für die Spiele fast jedes seiner Wochenenden beansprucht, 40-Stunden pro Woche als Verkäufer in einem Geschäft für Sportmützen arbeitet. „Ich bekomme zwar auch etwas Geld von den Rebels, aber das ist eher so etwas wie ein Bonus“, sagt Outlaw.

Noch begehrter

Den Job als Verkäufer hat er sich 2010 besorgt, als er sich entschied, in Deutschland zu bleiben. Vor zwei Monaten habe er endlich seine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung erhalten, erzählt er. Damit unterscheidet Outlaw sich von den anderen US-amerikanischen GFL-Spielern, die zwischen den Spielzeiten in ihr Heimatland zurückkehren. Outlaw hingegen ist durchgehend im Training und kann sich mit den Passempfängern abstimmen.

Das machte ihn für die Klubs der GFL noch begehrter, denn die meisten GFL-Teams haben ihren Quarterback erst vier bis acht Wochen vor Saisonbeginn vor Ort. Zwei Jahre will er noch spielen, so viel Zeit bleibt ihm noch, um sich und den Rebels den Traum von den Play-offs zu erfüllen. Vom Vereinswechsel hat er genug. „Ich werde bei den Rebels in Rente gehen“, verspricht er.

 

Fotos: Berlin Rebels

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