Der Faktor Brams

Der Volleyball-Bundesligist aus Düren will den nächsten Entwicklungsschritt gehen. Warum das ausgerechnet mit dem jüngsten Trainer der Liga möglich ist.

Als Anton Brams am Donnerstag im Mannschaftsbus Richtung Berlin saß und aufzählte, wen er bei dem kurzen Besuch in seiner Heimatstadt alles treffen möchte, war schnell klar, dass er dafür ein gutes Zeitmanagement brauchen wird. Da gibt es zum Beispiel Sebastian Kühner, Zuspieler der BR Volleys, mit dem Brams vor acht Jahren Abitur gemacht hat. Eine enge Freundschaft pflegt er aber auch zu den beiden US-amerikanischen Nationalspielern Paul Lotman und Erik Shoji, mit denen er im September den Weltcup gewann.

Praktischerweise sieht Brams diese Drei versammelt am Sonnabend, wenn die BR Volleys die Powervolleys Düren empfangen (18.30 Uhr, Schmeling-Halle). Viel Raum für Nettigkeiten bleibt dann aber nicht, denn Brams wird an der Seitenlinie der Gäste stehen. Seit dieser Saison ist der 27-Jährige Cheftrainer in Düren, der jüngste den der Klub je hatte.

Der jüngste Trainer der Vereinsgeschichte

Der Posten beim Vorjahresdritten der Liga ist für Brams der erste als leitender Trainer. Vor der Verpflichtung habe man sich schon Gedanken über sein Alter gemacht, gibt Dürens Geschäftsführer Rüdiger Hein zu. „Aber dann erschien er hier und wirkte trotz seines jungen Alters sehr reif.“ Brams, der früher Willert hieß, ist bereits verheiratet und hat einen Sohn. Vor allem aber bringt er Qualifikationen mit, von denen manch andere Bundesligatrainer nur träumen können:

Als Assistenzcoach der US-amerikanischen Nationalmannschaft gewann er 2014 die Weltliga und 2015 den Weltcup, außerdem gründete er in den USA ein Unternehmen für die Entwicklung neuer Analyse-Programme im Spitzensport. Damit will er nun auch den deutschen Volleyball revolutionieren.

„Anton hat sich schon als Spieler sehr für Statistiken interessiert“, sagt Michael Warm. Der Trainer des aktuellen Tabellenführers United Volley Rhein Main leitete von 1998 bis 2005 in Berlin die erste Juniorenmannschaft des VC Olympia an. Zu der gehörte zeitweise auch Brams. Wegen Problemen mit Hüfte und Bandscheibe musste er aber schon als 18-Jähriger mit dem Leistungssport aufhören. „Viel Zeit, darüber nachzudenken hatte ich allerdings nicht“, sagt Brams.

Denn ab diesem Moment startete seine Trainerkarriere: Durch eine spontane Vertretung fiel im zunächst die Damenmannschaft des BBSC in die Hände, die er parallel zu seinen zwei Bachelor- Abschlüssen in BWL und Kommunikationswissenschaften von der Bezirksliga bis zur Regionalligameisterschaft führte. Anschließend arbeitete er als Assistenztrainer beim VCO und der Junioren-Nationalmannschaft, doch dann trieb es ihn ins Ausland, wo ihm ein fast schon märchenhafter Aufstieg gelang:

Von der Universität in die Nationalmannschaft

An 40 Universitäten bewarb sich Brams für einen Master in Kommunikation, die University of Hawaii bot ihm schließlich ein Vollstipendium an, als Trainer der Männer- und Frauenmannschaft. Dort wurde John Speraw, Trainer der University of Los Angeles (UCLA), auf Brams aufmerksam. „Speraw hatte ein Doktorprogramm an der UCLA für mich im Sinn, aber die Bewerbungsfrist war gerade abgelaufen“, sagt Brams.

Wochen später meldete sich Speraw aber erneut. Er war inzwischen zum Headcoach der US-Volleyballer ernannt worden. „Als er mich fragte, ob ich in sein Team kommen möchte, habe ich sofort meine Sachen gepackt“, sagt Brams. Als Technischer Koordinator trug er maßgeblich zum Erfolg des US-Teams bei. „Jemand sagte mir, so jemanden wie ihn findet man vielleicht nur alle 40 Jahre“, sagt Speraw.

Eigentlich hatte er nie den Plan, Trainer zu werden, sagt Brams. „Ich sehe das auch nicht als Beruf, sondern als das, was ich gern tue.“ Diese Herangehensweise möchte er auch seinen Spielern vermitteln. „Sie sollen eigenverantwortlich handeln, den Sport aus Spaß machen und nicht wegen Druck. Hier in Deutschland fehlt bei der Entwicklung der Spieler so ein bisschen die Komponente Mensch“, findet Brams. Auch in den Statistikprogrammen geht es ihm zu sehr um reine Zahlen. „Wenn ein Angreifer einen Fehler gemacht hat, würde ich gern in der Statistik sehen können, ob der Zuspieler ihm danach gleich noch einmal den Ball gegeben hat und ob er damit Erfolg hatte“, sagt Brams. Er sieht Fehler vor allem als Basis für die Weiterentwicklung der Spieler.

Vertragsverlängerungen wegen Brams 

Düren hat er mit seinem Konzept überzeugt. „Für viele Spieler war die Verpflichtung von Brams der ausschlaggebende Faktor dafür, dass sie geblieben sind“, verrät Geschäftsführer Hein. In den vergangenen Jahren hat sich der Verein hinter den BR Volleys und dem VfB Friedrichshafen als dritte Kraft in der Liga etabliert. Nun will man einen Schritt weitergehen, zumal mit den United Volleys und der SVG Lüneburg starke Konkurrenten hinzugekommen sind. Wie stark die sind, hat Brams am vergangenen Mittwoch erlebt, als sein Team im Achtelfinale des Pokals 1:3 gegen Lüneburg ausschied.

„In Düren möchte ich jetzt meinen nächsten Entwicklungsschritt machen“, sagt Brams. Im Sommer aber kehrt er zur US-Mannschaft zurück, und wird mit Lotman und Shoji an seiner Seite zu den Olympischen Spielen nach Rio fliegen. Sebastian Kühner würde er dort auch gerne treffen. „Ich hoffe, dass sich die Deutschen noch qualifizieren“, sagt Brams. Heute hätte er gegen eine Niederlage seines alten Schulfreundes allerdings nichts einzuwenden.
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