Pokaltriumph für Berliner Volleyballer nach 16 Jahren

Wie die BR Volleys abgelenkt durch Krankenhausaufenthalt und Kaugimmisuche mit Wunderschuhen und starken Aufschlägen ihren Manager zu Tränen rühren. 

Mannheim.  An diesem Sonntag war alles anders. Nichts lief so ab wie gewohnt beim Pokalfinale, des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) und der Volleyball-Bundesliga (VBL), und vielleicht war genau das der Grund dafür, dass die BR Volleys am Ende die begehrte Trophäe in die Höhe reißen konnten.

„Wurde auch Zeit!“ stand auf den T-Shirts, die sich Spieler und Betreuer nach dem deutlichen Sieg gegen den TV Bühl überstreiften. 3:0 (25:18, 25:12, 25:17) gewannen die Berliner in nur 73 Minuten und dürfen sich nun zum ersten Mal nach 16 Jahren wieder Pokalsieger nennen.

Zum letzten Mal konnten die Volleyballer aus Charlottenburg diesen Triumph im Jahr 2000 feiern. Damals fand das Endspiel in Dessau noch vor 2000 Zuschauern statt. 10.000 mehr kamen am Sonntag nach Mannheim. Das waren so viele wie noch nie bei einem Volleyballspiel in Deutschland, und das in einer Halle, in der vor diesem Pokalfinale noch niemals ein Volleyballspiel stattgefunden hatte.

Erik Shojis größtes Problem: Er hatte keinen Kaugummi

Weg von den Gewohnheiten hieß es beim DVV und der Volleyball-Bundesliga, die zwei neue Trophäen für die Frauen und Männer entworfen hatte. Auch bei den Berlinern lief bei den Vorbereitungen einiges anders als sonst – allerdings ungewollt. Tomas Kmet konnte nicht am Pokalfinale teilnehmen.

Der Mittelblocker der BR Volleys musste wegen einer Entzündung im Ellenbogen in Mannheim operiert werden. Das Trikot mit der Nummer vierzehn trug Francesco De Marchi in die Arena.  Bereits eine Stunde zuvor war Erik Shoji panisch in die Halle gelaufen. Der Libero der BR Volleys war auf der Suche nach einem Kaugummi. Bei jedem Spiel kaut der US-Amerikaner, er hatte aber seinen Vorrat aufgebraucht.

Weil weder Spieler noch Betreuer ihm aushelfen konnten, wurde die Suche auf die Fankurve ausgeweitet – mit dem Ergebnis, dass Shoji zu Spielbeginn gewohnt fleißig auf der süßen Masse in seinem Mund herumkaute. „Unsere Fans sind unglaublich, in jeder Beziehung“, sagte der Hawaiianer.

13:13 im ersten Satz und der Schlüssel zum Sieg

So kaute er fröhlich, als die BR Volleys nach zwei starken Aufschlägen Paul Lotmans mit 2:0 in Führung gingen, beeindruckt, als Magloire Mayaula vom TV Bühl einen Angriff auf den vierten Meter seines Feldes drosch und nervös, als seine Mannschaft 4:6 zurücklag. Nur einmal stoppte Shoji seine Kieferbewegung. Da hatte Diagonalangreifer Paul Carroll gerade ein Ass zum 13:13 im Feld der Bühler platziert. Entschlossen sahen die beiden sich an.

Fortan fand Shoji zu seinem Kaurhythmus und die BR Volleys fanden ins Spiel. „Das war der Schlüssel zum Sieg“, sagte Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand. Die Berliner schlugen von jetzt an stärker auf, blockten konsequent und punkteten kompromisslos.

Als der Ball nach einem Block der Badener auch noch statt auf dem Boden auf dem Schuh von De Marchi landete, den der Italiener sich eigens für das Pokalfinale hatte anfertigen lassen (19:16), war bereits zu spüren, wie dieses Spiel ausgehen würde.

Unheimlich konsequent durchgezogen 

„Das war unheimlich, wie schnell und konsequent wir das durchgezogen haben“, sagte Außenangreifer Robert Kromm. Entschlossen ist das Wort, das am besten beschreibt, wie die Berliner in den zweiten Satz starteten. Mit starken Aufschlägen setzten sie die Bühler unter Druck, die durch Probleme in der Annahme immer seltener dazu kamen, ihre starken Angreifer mit Mayaula und Nemeniah More in der Mitte anzuspielen.

Beim Stand von 17:11 nahm Bühls Trainer Ruben Wolochin eine Auszeit, danach gelang seiner Mannschaft aber nur noch ein Punkt. Die Berliner waren nun nicht mehr gewillt, sich ihren so lang ersehnten Triumph nehmen zu lassen, da half es den Bühlern auch nicht, dass sie den Vergleich der mitgereisten Fans mit über 1000 zu knapp 500 gewannen. In allen anderen Bereichen waren ihnen die Berliner überlegen, die nach 9:9 auch im dritten Satz über die Stationen 16:13 und 21:16 davonzogen.

Manager Niroomand ist vor Glück zu Tränen gerührt

„Das war für den Verein eine lange Durststrecke, die muss man jetzt natürlich ordentlich begießen“, sagte Kromm. Was dieser Erfolg für die Berliner bedeutete, machte Kaweh Niroomand deutlich, der mit einem von Sekt getränkten „Wurde auch Zeit!“-T-Shirt“ in der Menge stand und kurzzeitig nicht mehr sprechen konnte, als er sagen wollte, was für eine Last gerade von ihm abfalle.

Tränen kullerten über die Wangen des Managers, und wie zum Beweis für die große Belastung löste sich in dem Moment die Goldmedaille von seinem Hals und fiel zu Boden. „Dieser Erfolg war so wichtig und hilft uns auch im Sinne von Deutschland, den Volleyball hierzulande weiterzuentwickeln“, sagte er, als er sich wieder gesammelt hatte.

Foto: Conny Kurth, www. kurth-media.de

Dieser Artikel ist auch am 29. Februar 2016 in der Berliner Morgenpost erschienen.

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