Trockenfleisch auf Reisen

Das Kofferpacken ist für Beachvolleyballer machmal gar nicht so einfach, vor allem, wenn auch noch besondere Lebensmittel zwischen der Kleidung Platz finden müssen

Ein Blick in die gepackten Koffer der World-Tour-Spieler ist immer ein Highlight, besonders in dieser Woche, denn vor der Abreise nach China gab es neben Spielkleidung, Bällen und Sonnenbrillen einiges Ungewöhnliches zu sehen: In den Taschen der deutschen Nationalspielerinnen Karla Borger und Britta Büthe tummelten sich neben Basis Müsli und Powerriegeln vor allem einige Ladungen Beef Jerky, Corned Beef und Dosenthunfisch.

Das sind nicht gerade die Leibspeisen der WM-Zweiten von 2013, sie erfüllen aber einen wichtigen Zweck: Sie enthalten Eiweiß und gelten laut Welt-Anti-Doping-Agentur als sicher. Das kann man von dem Fleisch im Land nicht behaupten. „China ist kompliziert vom Essen her für uns,“, erklärt Borger.

Hohe Gefahr von unbeabsichtigtem Doping

Bereits 2011 hatten Untersuchung des Manfred-Donike-Instituts und des Zentrums für Präventive Dopingforschung der Deutschen Sporthochschule Köln eine erhöhte Gefahr der unbeabsichtigten Aufnahme des verbotenen ß2-Agonisten Clenbuterol durch den Verzehr von Fleischprodukten in Mexiko und China festgestellt. 2014 gab es erneut mehrere Clenbuterol-Fälle, daher rät die Welt-Anti-Doping-Agentur zur höchsten Sensibilität bei der Ernährung in diesen Ländern. Für die Athleten heißt das vorsorgen, denn durch die beiden direkt aufeinander folgenden Open Turniere in Xiamen und Fuzhou sind sie zwei Wochen in China.

„Unser Hauptnahrungsmittel vor Ort wird sicherlich Reis sein“, sagt Toni Hellmuth. Der Berliner reist zum ersten Mal nach China. Der 25-Jährige und sein Partner Eric Stadie (19) sind in Xiamen in die Qualifikation gerutscht, weil Lars Flüggen und Markus Böckermann wegen der Meniskusverletzung, die Flüggen sich in Doha zugezogen hat, zurückziehen mussten. „Ich habe meine Freundin ganz schön mit Fragen gelöchert“, gibt Hellmuth zu. Freundin Yanina Weiland (21) startet ebenfalls in der Qualifikation und hat im vergangenen Jahr schon in Fuzhou gespielt.

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Toni Hellmuth hat sich beraten lassen beim Kofferpacken (Credit: Yanina Weiland)

Adapter schlägt Nahrungsergänzungsmittel

„Zwei Wochen China sind schon eine Herausforderung“, sagt der deutsche Teamarzt Dr. Michael Tank. „Alles, was gezüchtet wird, von der Garnele bis zum Schwein, sollte man nicht essen.“ Nicht alle Spieler reisen so präpariert nach Fernost wie die Deutschen. Aleksandrs Samoilovs zum Beispiel versteht die Aufregung nicht. „Meine Packliste für China ist fast dieselbe wie für alle anderen Turniere. Ich nehme auch keine extra Nahrungsmittel mit, ich mag die asiatische Küche und finde immer gute Restaurant zum Essen“, sagt der Lette. Über das Foto von Karla Borgers Einkauf amüsiert er sich königlich.

Aleksandr Samoilovs freut sich auf asiatische Küche. Der Lette stresst sich nicht (Credit: Philipp Schuster)
Aleksandr Samoilovs freut sich auf asiatische Küche. Der Lette stresst sich nicht (Credit: Philipp Schuster)

„Das Meiste von dem, was Karla da eingepackt hat, kannst du in jedem Supermarkt in China kaufen“, sagt er. Auch Borger glaubt, dass man auch ohne Einkäufe klar kommen kann. „Ich esse aber eben auch einfach gern Sachen von zu Hause“, sagt sie. Sie ist lieber vorsichtig, denn am Ende ist jeder Athlet selbst dafür verantwortlich, dass er seinem Körper keine Substanz zuführt, mit der er positiv getestet werden kann. Aleksandrs Samoilovs hat noch einen anderen heißen Tipp fürs Kofferpacken: „Ein Adapter für China sollte nicht fehlen und chinesische Währung“, rät er. Man kann nämlich nur in einer Nationalbank Geld wechseln.

Der Text ist  auf beachvolleyball.at und in englischer Version auf swatchmajors.com erschienen.

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