Wenn vor der Tür das Bombenkommando wartet

Nach drei Tagen Copacabana-Felling rückte vieles, was in den vergangenen Monaten die Medienwelt bestimmt hatte, ganz weit in meinen Hinterkopf. Jetzt ist es wieder präsent.

Der vierte Tag in Rio de Janeiro war ziemlich ereignisreich. Auf das hochklassige Volleyballspiel zwischen den USA und Italien (1:3) folgte ein Fünf-Satz-Krimi zwischen Polen und dem Iran (3:2), über den ich eigentlich etwas mehr berichten wollte, weil die Situation zwischen den Athleten nach Spielende beinahe eskalierte. Auf beiden Seiten kochten die Emotionen hoch, doch nach einer hitzigen Pressekonferenz hatten sich alle wieder beruhigt. Auch der erste Sieg bei Olympia für die deutschen Beachvolleyballerinnen Karla Borger und Britta Büthe sollte mehr Beachtung finden, so erleichtert waren die beiden Athletinnen, die nach ihrer Auftaktpleite gegen die Schweiz wieder etwas Sicherheit im Spiel gegen die Niederlange gewonnen zu haben.

Der Laptop wartet unerreichbar

All diese Geschichten im Kopf, wartete das Notebook im Appartement nur auf seinen Einsatz. Ich lasse es die meiste Zeit lieber dort, weil ich schon einige Geschichten von Journalisten gehört haben, die mit einem Messer am Hals ihr Equipment herausrücken mussten. Einem Bekannten wurde in der Metro das Handy gestohlen – auch das ist Rio, das vergisst man gern, wenn man sich am Strand eine Kokosnuss mit Strohalm holt, „Volleyball your way“ beim FIVB-Stand spielt oder mit den Athleten mitfiebert. Der Gedanke, dass Olympische Spiele ein beliebter Zielort für Anschläge sind, war seit meiner Ankunft ziemlich weit in den Hinterkopf gerückt. An diesem Dienstagabend war er plötzlich präsent. Als ich in die Straße meines Appartement einbiegen wollte, war das nicht möglich. Mehrere mit Maschinengewehren bewaffnete Soldaten sperrten die Straße ab. Kurz danach trafen zwei Einsatzfahrzeuge des Bombenkommandos ein.

Interessante Absperrung. Das ist zwar später bei den Aufräumarbeiten von oben fotografiert, aber die Absperrung war vorher auch nicht weitläufiger.
Interessante Absperrung. Das ist zwar später bei den Aufräumarbeiten von oben fotografiert, aber die Absperrung war vorher auch nicht weitläufiger.

Man habe etwas gefunden, und nun sei der Bombentechniker da, erklärte das Sicherheitspersonal. Der in einen schwarzen Ganzkörperanzug gehüllte Techniker zog vorsichtig eine Art Rucksack aus einem Auto, direkt vor meinem Appartement, doch irgendwie wirkte das Ganze wie in einem schlechten Film. Nicht einmal 50 Meter betrug die Absperrung rund um den Bereich, auch waren die Häuser rundherum nicht evakuiert.

Ein Vater, der seine Frau und Baby in dem Appartement wusste, bekundete seine Sorge. „Die sind im Haus ohnehin sicherer als Sie hier auf der Straße“, sagte der Mitarbeiter des Bombenkommandos. War das jetzt beruhigend oder eher nicht?

Da liegt der Ursprung der Aufregung
Da liegt der Ursprung der Aufregung

Immer mehr Menschen steckten die Köpfe aus den Fenstern, auch die Anzahl an Schaulistigen auf den Straßen nahm zu, die ihre Smartphones zückten, um das Geschehen aus nächster Nähe zu dokumentieren, einige lachten. Die unfreiwillige Komik der Situation war aber schnell dahin, als mit einem Mal ein ohrenbetäubender Knall ertönte. Danach dauerte es noch einmal eine halbe Stunde, und die Absperrung wurde wieder entfernt. Scheinbar hatte es sich um eine „kontrollierte Sprengung“ gehandelt. So genau konnte mir das niemand sagen. Was bleibt, ist der Schreck.

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