Mit 290 Stundenkilometern ins Meisterschafts-Finale

Die Crossminton-Spieler der Füchse Berlin können am Sonntag dafür sorgen, dass die Elbspeeders aus Hamburg erstmals nicht ins Finale um die Deutsche Mannschafts-Meisterschaft einziehen

Es klingt, als hätte sich eine riesengroße Hummel in der Reinickendorfer Sporthalle verirrt. Allerdings muss es sich um ein ziemlich zielstrebiges Exemplar handeln, denn das Tempo des Summens passt nicht so ganz zu dem doch eher gemütlich-dicken Blütenbesucher. Beim Betreten der Halle wird aber schnell klar: Das Geräusch verursacht kein überdimensioniertes Insekt, sondern ein Speeder, den sich Franziska Ottrembka (26) und Johannes Späth (33) um die Ohren sausen lassen.
Gegenüber herkömmlichen Kunststofffederbällen hat der Speeder ein erhöhtes Gewicht und ein verkürztes Flugkleid, und kann so ein Tempo von bis zu 290 Kilometer pro Stunde aufnehmen. Mit diesem Ball spielen Ottrembka und Späth Crossminton. Dafür stehen sie sich im Abstand von 12,8 Metern gegenüber, jeder in einem Quadrat von fünfeinhalb Metern Seitenlänge. Die neon-gelben Linien dafür haben sie extra auf den Hallenboden geklebt. „Es gibt nur in Westdeutschland eine Halle mit eingezeichneten Crossminton-Linien“, verrät Spät, erster Vorsitzender der Crossminton-Abteilung der Füchse Berlin.

Ein Unentschieden würde den Füchsen am Sonntag schon reichen

Der Sport Crossminton, der Elemente aus Badminton, Squash und Tennis verbindet, wird erst seit Januar 2016 offiziell so bezeichnet. „Viele kennen das noch als Speedminton oder Speed Badminton“, sagt Späth. Ziel ist es, den Speeder im gegnerischen Feld unterzubringen. Ein Satz endet bei 16 gewonnen Punkten. Beim Crossminton gibt es kein Netz in der Mitte, man kann in der Halle, auf dem Rasen oder im Sand spielen.
Der junge Sport hat auch einen Bundesliga-Spielbetrieb, da sind die Berliner derzeit ganz vorn dabei: Am Sonntag kämpfen Ottrembka und Späth mit der ersten Mannschaft der Füchse Berlin in Hamburg um den Einzug ins Meisterschaftsfinale, das im November ebenfalls in Hamburg stattfindet. Gegner sind die Elbspeeders, die seit der Einführung der Finalturniere 2013 jedes Jahr deutscher Mannschaftsmeister geworden sind.
„Das wird das Spiel der Spiele“, sagt Ottrembka. Derzeit stehen die Füchse auf Rang zwei der Liga Nord, die Elbspenders einen Punkt dahinter auf Rang drei. Ein Unentschieden an diesem letzten Spieltag würde reichen, damit das Finale, für das sich jeweils die ersten zwei Teams aus den Ligen Nord, Ost, Süd und West qualifizieren, zum ersten Mal ohne den amtierenden Meister stattfindet. Unrealistisch ist das nicht, denn im Hinspiel haben die Füchse bereits gegen die Hamburger gewonnen.
Außerdem haben sie mit Ottrembka die amtierende Crossminton-Europameisterin im Doppel in ihren Reihen. Vor anderthalb Jahren erst hat die weibliche Nummer eins der Füchse mit dem Sport angefangen, vorher spielte sich hochklassig Badminton. Beim Crossminton gehe es ihr vor allem um den Spaß, sagt sie. Ein bisschen Ehrgeiz klingt dann aber doch durch: „So ein Titel mit der Mannschaft der Füchse wäre natürlich ein netter Nebeneffekt.“

 

Bildquelle: Füchse Berlin

Diese Text wurde am 22. September 2016 auch in der Berliner Morgenpost veröffentlicht.

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