Mit dem richtigen Händchen ins WM-Achtelfinale

Der erfahrenste Mann im Team der deutschen Handballer ist Peter Gräschus (2. v. re.). Der 53-Jährige wird bei seiner 10. WM immer wichtiger für das Team

ROUEN.  Zwei Minuten vor Schluss humpelte Andreas Wolff vom Feld. Nach vielen glücklosen Versuchen hatte der Torhüter der deutschen Handballer endlich ein Bein an den Ball bekommen, war danach aber schmerzhaft auf dem Rücken gelandet. Dabei hatten die deutschen Handballer vor dem dritten Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien noch alle eine Hand auf den Rücken von Peter Gräschus gelegt. Neben der Frage, ob sie gewinnen wollen, die der Physiotherapeut vor jeder Partie stellt, lautete die Devise: bloß nicht verletzen.

Das eine hat geklappt mit dem 38:24 (21:13) – Sieg und dem damit verbundenen vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale. Das andere weniger. Die medizinische Abteilung des DHB bestätigte am späten Abend eine Prellung des Gesäßmuskels bei Wolff. Sein Einsatz im Spiel gegen Weißrussland sei aber nicht in Gefahr. Die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Torhüter fit ist, hat nun Physiotherapeut Gräschus, der am Dienstag mal wieder eine Nachtschicht einlegte. „Bis man mit allen Spielern durch ist dauert es gern bis ein Uhr nachts“, sagt der 53-Jährige. Da die Mannschaft am heutigen Mittwoch schon das nächste Spiel gegen Weißrussland bestreitet (17.45 Uhr, Livestream, handball.dkb.de), hatte er sogar noch etwas länger zu tun. „Die Physiotherapeuten haben mindestens 85 Prozent Anteil an der Betreuung der Spieler“, weiß Mannschaftsarzt Kurt Steuer.

 Zehnte WM für Phyisio Gräschus

„Bis man mit allen Spielern durch ist dauert es gern bis ein Uhr nachts“, sagt der 53-Jährige. Da am heutigen Mittwoch schon das nächste Spiel gegen Weißrussland ansteht (17.45 Uhr, Livestream, handball.dkb.de), hatte er sogar noch etwas länger zu tun. „Die Physiotherapeuten haben mindestens 85 Prozent Anteil an der Betreuung der Spieler“, weiß Mannschaftsarzt Kurt Steuer.

Jeder Tag des Mössingers, der sich die Arbeit bei der WM mit Sven Raab, Physiotherapeut des Deutschen Meisters Rhein-Neckar Löwen teilt, ist durchgeplant. „Bis auf die Essenszeiten ist man eigentlich pausenlos am Behandeln“, erklärt er. Seit 1992 betreut Gräschus die deutschen Handballer, in Frankreich bestreitet er seine zehnte WM und ist damit der erfahrenste Akteur im Team.

Da der Handball in den vergangenen Jahren immer mehr an Intensität gewonnen hat, wird seine Arbeit immer wichtiger. „Früher hat eine gewisse Größe und Wurfgewalt gereicht, um Nationalspieler zu sein, heute muss man eine Grundphysis in allen Bereichen haben“, sagt Gräschus.

Der Weg ins Finale: neun Spiele in 16 Tagen

In den vergangenen 25 Jahren ist ihm aufgefallen, wie sich die Spieler verändert haben. „Sie sind körperlich in einem besseren Zustand und auch viel konsequenter in ihrer Lebensweise.“ Zudem habe es früher keine Spieler wie Drux, Simon Ernst oder Jannick Kohlbacher gegeben, die mit 21, 22 Jahren komplett austrainiert sind. „Das liegt auch daran, dass die Ausbildung im Jugendbereich viel professioneller geworden ist“, glaubt er.

Was sich nicht verändert hat, ist die hohe Anzahl an Spielen. Schafft es Deutschland bis ins Finale, absolviert das Team neun Partien in 16 Tagen. „Eigentlich sind das zu viele Spiele in der kurzen Zeit“, sagt Gräschus. Zum Vergleich: Die Deutschen Fußballer absolvierten 2014 sieben Partien innerhalb von 27 Tagen bis zum WM-Titel.

„Dieses Problem hatten wir schon immer“, sagt Gräschus, der selbst als Stürmer beim Verbandsligisten Ofterdingen kickte, und den SSV Reutlingen betreut, wenn er nicht gerade mit der DHB-Auswahl unterwegs ist. „Handball ist deutlich körperbetonter und härter als Fußball“, sagt er. Handballer könnten dementsprechend beim Fußballtraining mithalten, „ein Fußballer würde aber schlecht beim Handballtraining aussehen“, sagt er lachend. Aus Eigenschutz mache er deshalb nur mit, wenn Sigurdsson Fußball spielen lässt.

Großes Augenmerk auf Prävention

Momentan gilt seine volle Konzentration aber der Regeneration der Spieler. Partien wie gegen Saudi-Arabien oder gegen Weißrussland, sieht er dabei als Vorteil: „Wir haben jetzt von fünf Gruppenspielen zwei, drei, die nicht ganz am oberen Limit sind wie bei einer EM. Das hilft im Hinblick auf die Qualität zum Ende des Turniers.“

Jetzt geht es vor allem darum, schon die kleinen Wehwehchen präventiv zu behandeln, um Verletzungen zu vermeiden. Ganz verhindern kann man das aber nicht, weiß Gräschus. „Die Spieler sind Hochleistungsmaschinen, damit muss man leben können“, sagt er. Leicht fällt ihm das nicht. Wenn er seinen Platz am Spielfeldrand einnimmt hofft er daher immer, dass bloß keine schwere Verletzung passiert – dann liegt es aber nicht mehr in seinen Händen.

Dieser Text ist am 18. Januar in der Berliner Morgenpost erschienen.

Fotocredit: dpa

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