„Wir wollen aus dem Schweinehund einen Muskelkater machen“

Der Urban Sports Club bietet Bewegung zum Ausprobieren. Hier können Berliner per Flatrate bis zu 36 Sportarten ausprobieren

Franz Schönberger streicht sich die blonden Haare aus der Stirn. Mit beiden Füßen hockt der 26-Jährige – lockere Jogginghose, weißes T-Shirt – auf einer hüfthohen Stange. Dann steht er langsam auf und balanciert vorsichtig auf dem schmalen Stück Metall entlang. 20 Augenpaare sehen ihm staunend zu. Die Teilnehmer des Parkour-Workshops sind beeindruckt.

Die richtige Balance in der Hocke finden. Credit: Milos Djuric, ParkourONE

Die Stangen, Mauern und Rampen hinter dem Velodrom Berlin sind ein fester Treffpunkt für die Parkourläufer, die sich hier bei Wind und Wetter zum Üben treffen. Der 26-jährige Franz Schönberger ist einer von ihnen. Seit zwölf Jahren hat ihn die Fortbewegungsart gepackt, deren Ziel es ist, nur mit den Fähigkeiten des eigenen Körpers möglichst effizient von A nach B zu gelangen.

Der flexibelste Sportanbieter Berlins

Bewusst bezeichnen die sogenannten Traceure die aus Frankreich stammende Bewegung nicht als Sport. Einen Wettkampfgedanken gibt es nicht. Das versucht Schönberger, Head Coach bei ParkourONE, auch den interessierten Einsteigern beizubringen, die sich an diesem sonnigen Nachmittag auf der Grünfläche an der Fritz-Riedel-Straße versammelt haben, um Parkour kennenzulernen.

Wenn er die Teilnehmer fragt, wie sie auf ParkourOne gekommen sind, hört er immer wieder: „Urban Sports“. Den Urban Sports Club kann man guten Gewissens als den flexibelsten und vielfältigsten Sportanbieter Berlins bezeichnen. Ab 29 Euro pro Monat kann man bei über 300 unterschiedlichen Anbietern trainieren, und zwischen 36 Sportarten auswählen, darunter Klettern, Fußball, Badminton, Beachvolleyball, Parkour, Kampfsport oder Pilates. Deutschlandweit sind es sogar 800 Anbieter.

Das Unternehmen ist in acht deutschen Städten und in Paris vertreten

„Du kannst dir jeden Tag neu überlegen, was du machen möchtest“, schwärmt Astrid Munkwitz. Mit der Urban Sports App als digitalem Mitgliedsausweis kann sich die Berlinerin in allen teilnehmenden Sportstudios für die Kurse anmelden. Die 25-Jährige war schon beim Power Plate, Squash, Yoga und im Fitnessstudio. Demnächst möchte sie Tennis ausprobieren. „Ursprünglich wollte ich mich in einem Fitnessstudio anmelden, aber da hätte ich genauso viel bezahlt und nur in das eine Studio gehen können“, sagt das Model. Momentan zahlt sie 59 Euro im Monat, dafür kann sie so viele Angebote wahrnehmen, wie sie möchte – eine Sport-Flatrate sozusagen, die sie monatlich kündigen kann.

Die Gründer Moritz Kreppel und Benjamin Roth haben einen Zeitgeist erkannt. Mit ihrem 2012 als Start-up gegründeten Unternehmen sind sie inzwischen in acht deutschen Städten und in Paris vertreten. „Der Kern ist, Menschen dazu zu bewegen, mehr Sport zu treiben“, sagt Gründer Roth. „Wir wollen aus dem Schweinehund einen Muskelkater machen.“ Sportartenwechsel, Vereinswechsel und Mehrfachmitgliedschaften kommen heute wesentlich häufiger vor als in früheren Generationen.

„Alle Städte ab 500.000 Einwohnern sind für uns interessant“

Wer früher Fußball spielen wollte, ging in einen Fußballverein, Tennisspieler sammelten sich im Tennisklub und wer gern Gewichte stemmte, meldete sich im Fitnessstudio an. Die Generation Y, die einen eher unverbindlichen und spontanen Lebensstil pflegt, hat darauf keine Lust. „Was wir momentan in vielen gesellschaftlichen Bereichen schätzen, ist eine gewisse Unverbindlichkeit, eine Flexibilität und die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren“, sagt der Zukunftsforscher Prof. Ulrich Reinhardt von der BAT-Stiftung Hamburg.

Jeder macht sein und doch sind alle in einer Community. Credit: Black Sheeps Athletics

Der Urban Sports Club hat den Hang zum Individualismus erkannt. Auf der Website kann man eine Wunschmitgliedschaft auswählen und erhält eine Profil-Aktivierung für die Urban Sports App, mit der der Zugang bei allen teilnehmenden Partnern gewährleistet ist. Für den Fall, dass die Internetverbindung mal nicht funktioniert, gibt es die persönliche Mitgliedskarte. Um die Flexibilität noch weiter zu erhöhen, expandieren die Gründer. „Alle Städte ab 500.000 Einwohnern sind für uns interessant“, sagt Roth.

Weitere Angebote sind bereits in Planung

Somit stört auch ein Umzug das regelmäßige Sportprogramm nicht mehr, denn die Mitgliedschaft kennt keine Stadt- oder Landesgrenzen. Im Dezember hat der der Urban Sports Club seinen größten Wettbewerber „Somuchmore“ übernommen und will sich gegenüber ähnlichen Anbietern wie Daytraining, My Fitness Club oder Gympass weiter abgrenzen: „Im Moment bieten wir vor allem das Thema Sport an, aber es gibt noch viel drum herum“, sagt Roth.

Auf dem Sprung ins nächste Abenteur. Credit: Milos Djuric, ParkourONE

Vertrauen, Respekt. Gemeinschaft. Das sind Punkte die Franz Schönberger aufzählt, wenn es um Parkour geht. Nach den zweieinhalb Stunden Workshop sind die Teilnehmer durchgeschwitzt und um die Erfahrung reicher, dass Parkour nicht bedeutet, sich gefährlichen Situationen auszusetzen und möglichst erfolgreich zu sein. Vielmehr geht es darum, die Kraft von Körper und Geist zu begreifen und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu nutzen, um sich seinen eigenen Weg zu gestalten. Am Ende gibt es viel Applaus von den Teilnehmern. Einige werden wiederkommen, andere sind schon auf dem Sprung zum nächsten Abenteuer.

Titelfoto: Black Sheep Athletics

Dieser Text ist am 14. März in der Berliner Morgenpost erschienen

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