Eine Ode an den Shot

Der harte Schlag wird im Beachvolleyball der Frauen überbewertet. Olympiasiegerin Laura Ludwig hat gezeigt, dass es auch ohne geht, daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen.

Am Samstagabend hab ich mich noch mit einer Freundin darüber unterhalten, warum es uns manchmal schwer fällt zu akzeptieren, dass wir nicht unbedingt zu den Spielerinnen gehören, die mit einem harten Angriff im Beachvolleyball erfolgreich sind.

Man macht einen kurzen Poke oder einen langen Shot, der den Gegnerinnen vor die Füße fällt. Doch statt Stolz schleicht sich da so ein leises fieses Stimmchen in den Hinterkopf, das sagt: „Naja, schön war das nicht.“ Aus irgendeinem Grund hat sich der Glaubenssatz eingeschlichen, nur ein hart geschlagener Ball wäre so ein richtiger Punkt, da kann man bei einer Größe von 1,70 Metern aber schnell an seine Grenzen stoßen.

Olympiasiegerin als Lehrbeispiel

Laura Ludwig hat so einen harten Schlag. Momentan kann die Beachvolleyball-Olympiasiegerin aufgrund ihrer Schulteroperation aber nicht darauf zurückgreifen,  am Wochenende beim smart super cup in Münster hat sie ein Lehrbeispiel dafür geliefert, wie man ohne harten Angriff im Beachvolleyball erfolgreich sein kann. Zwar schreiben alle Medien „Ludwig gewinnt mit links“, das liest sich eben gut, aber seien wir mal ehrlich: Den Großteil ihrer Angriffe hat sie mit dem rechten Arm geschlagen, aber eben nicht hart sondern platziert mit Übersicht.

Ist es nicht als Abwehrspieler viel unangenehmer, einen Rainbow-Shot erlaufen zu müssen, als die Arme hinzuhalten für den harten Schlag? Es gibt in Berlin eine Spielerin, die ihre Gegnerinnen fast ausschließlich mit Pokes zur Verzweiflung bringt. Sie hat mit dieser Spielweise schon so einige Spielerinnen besiegt, die ihr athletisch weit überlegen waren. Und noch etwas anderes vergessen wir gern bei der Bewertung von Laura Ludwig an diesem Wochenende: Sie hat hervorragend angenommen, stark zugespielt und sehr gut abgewehrt. Der harte Angriffsschlag ist also nur eine Komponente in dem ganzen Geflecht aus Fähigkeiten, die man mitbringen muss, um ein Spiel zu gewinnen. In unseren Köpfen nimmt er einen viel zu großen Platz ein.

Man steht immer zu zweit auf dem Feld

Gerade im Beachvolleyball der Frauen kann auch ohne den harten Schlag gewinnen, das sieht man auch an den Argentinierinnen Ana Gallay und Georgina Klug. Die sind gerade mal etwas über 1,70 Meter, standen beim Klagenfurt Major im vergangenen Jahr im Halbfinale und haben sich über die Weltrangliste für die Olympischen Spiele qualifiziert. Aber versucht mal ein Spiel ohne eine gute Annahme zu gewinnen. Trotzdem sagen wir häufiger, wenn wir bei den Profis zuschauen: „Die kann aber toll angreifen!“ Und eher selten: „So annehmen wie die möchte ich auch mal können.“ Also, ihr ganzen kleinen Frauen da draußen, die eine tolle Abwehr, eine super Annahme und Feldübersicht haben: Nutzt eure Stärken und definiert euch nicht über eure Schwächen.

Eine zweite Sache ist mir auch noch aufgefallen: Laura war auch deshalb so gut, weil sie eine Mitspielerin hatte, die sie durchs Spiel getragen hat. Oft höre ich bei Berichten von Turnieren den Satz: „Ich konnte nicht viel machen, es ging alles über meine Partnerin.“ Ich denke, für diesen Trugschluss hat Kira Walkenhorst in Münster das Gegenbeispiel geliefert. Wenn eure Partnerin angespielt wird, könnt ihr noch immer einiges tun: Gut aufschlagen, blocken oder abwehren, so gut wie möglich zuspielen, um es ihr leichter zu machen und auch mal zweite Bälle spielen. Kira hat gerade im Finale gegen Chantal Laboureur und Julia Sude immer wieder in den entscheidenden Momenten ein Ausrufezeichen gesetzt und das Spiel an sich gerissen, unabhängig davon, ob sie die erste Annahme hatte oder nicht. Ihr steht immer zu zweit auf dem Feld, vergesst das nicht.

Foto: Joern Pollex/HOCH ZWEI

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