Vize-Weltmeisterin bereitet sich in Berlin auf Beach-WM vor

Was tun zwischen zwei europäischen Turnieren? Vor dieser Frage standen die brasilianischen Beachvolleyball-Spielerinnen Taiana Lima und Elize Maia in der vergangenen Woche. Am Stadtrand von Berlin sprachen sie über die harte Konkurrenz in ihrem Heimatland, das Hohe Niveau einer Weltmeisterschaft und die Bedeutsamkeit von Freundschaft.

Die grünen Sträucher versperren die Sicht, das Geräusch des Balles, wie er auf Arme und Hände prallt, ist aber schon zu hören, genauso wie das laute Lachen von Taiana Lima. Kurz vor der Stadtgrenze im Süden Berlins, hinter eine Reihe von Schrebergärten liegt das Beachvolleyball-Gelände des VfK Südwest. Wie aus dem Nichts kommen die fünf Felder plötzlich zum Vorschein. In diesem abgelegenen Kleinod in Lichterfelde trainiert Taiana Lima, die amtierende Vize-Weltmeisterin im Beachvolleyball. „Die Bedingungen hier sind super, alle haben uns so freundlich aufgenommen, wir durften sogar den Fitnessraum benutzen, für uns war das perfekt“, sagt die 33-jährige Brasilianerin.

Ein brasilianisches Trikot als Dankeschön an die VfK-Vorsitzende Karin Siebert

Mit Partnern Elize Maia (32) befindet sie sich auf der Durchreise vom Gstaad Major, wo sie vergangenen Woche Platz fünf belegte, ab Mittwoch startet das brasilianische Duo beim Vier-Sterne-Turnier der Weltserie im polnischen Olsztyn. „Dazwischen nach Brasilien zu fliegen wäre Quatsch gewesen, das ist viel zu teuer und wir kommen gar nicht zum trainieren“, sagt Lima.

 

Der härteste Wettbewerb im Beachvolleyball

Nach dem Turnier in Polen geht es direkt weiter nach Wien, wo vom 28. Juli bis zum 6. August die Beachvolleyball-Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Für Lima wird es die vierte WM sein. „Das ist ein wunderbaren Turnier mit einer Atmosphäre, die mir jedes Mal Gänsehaut verursacht“, sagt sie. Die WM bezeichnet sie als den härtesten Wettbewerb, den es im Beachvolleyball gibt. „Dort eine Medaille zu holen, ist noch viel schwieriger als bei den Olympischen Spielen.“ Bei Olympia dürfen pro Nation nur jeweils zwei Teams pro Geschlecht teilnehmen. Bei der WM sind fünf brasilianische Damenduos, fünf deutsche und vier amerikanische am Start. „Das sind meiner Meinung nach die stärksten Nationen“, sagt Lima.

Taiana Lima (links) mit ihrer Silbermedaille bei der WM 2015. Credit: FIVB

Bei der WM 2015 in den Haag scheiterte sie mit ihrer damaligen Partnerin Fernanda Alves erst im Finale an ihren Landsfrauen Barbara Seixas und Agatha Bednarczuk. Momentan sind Lima/Elize Maia, die seit dieser Saison zusammenspielen, Brasiliens viertstärkstes Damenteam. Auf der World Tour müssen sie sich regelmäßig im Länderausscheid, der sogenannten Country Quota, gegen Team fünf durchsetzen, bevor sie sich auch mit der internationalen Konkurrenz messen dürfen. In Polen wird auch der Deutsche Volleyball-Verband erstmals in dieser Saison unter den Damen eine Country Quota spielen lassen. Zuvor hatte der Verband die startenden Duos nominiert. „Wir wollen Erfahrungen mit dem System sammeln und die Resonanz der Teams einholen“, sagt DVV-Vizepräsident Beachvolleyball Andreas Künkler. „Außerdem sollen auch andere Teams die Chance erhalten, sich auf höchstem internationalen Niveau zu empfehlen.“

Die besten vier Teams werden finanziert

In Brasilien ist diese Gangart schon lange selbstverständlich. Für Lima/Elize Maia hat der Erfolg in der Country Quota noch eine weitere Bedeutung: Sobald sie gewinnen, übernimmt der brasilianische Verband ihre Reisekosten. „Die werden grundsätzlich nur für die besten vier Teams gezahlt“, erklärt Lima. Ihre Trainer, Ernährungsberater und Mentaltrainer finanzieren sie selbst, genau wie die Lebenshaltungskosten zwischen den Turnieren. In Berlin konnten sie viel sparen, weil sie kostenfrei trainieren durften und mit ihren drei Trainern bei ihrer Freundin Kelly Coutinho Szinovatz wohnten, die selbst beim VfK Südwest Volleyball spielt. „Taiana und ich kennen uns schon seit mehr als zehn Jahren“, verrät Coutinho.

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Valeu Berlin!!!😁😁😁

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Die Brasilianerin lebt seit einigen Jahren in Berlin, der Kontakt zur Beachvolleyball-Szene aus ihrem Heimatland ist aber nie abgerissen. „Ich habe schon so einige World-Tour-Spieler beherbergt“, sagt sie lachend. Neben dem Trainingsalltag haben Lima und Elize Maia bei ihr ein richtiges Zuhause. Beim Brazilian-Barbeque wurde gemeinsam entspannt, auch die East-Side-Gallery zeigte Kelly ihren Gästen. „Wir Brasilianer lieben es, viele Menschen um uns zu haben“, sagt sie. Auch die anderen Klubmitglieder freuten sich über die brasilianischen Gäste, besonders Christian Stangneth. Der 44-Jährige ist Deutscher Seniorenmeister und diente den Topspielerinnen in der vergangenen Woche als Trainingspartner. „Viel Glück für die WM“, sagte er zum Abschied am Freitag. Diesen Wunsch nahmen Lima/Elize Maia gern an. „Das Siegerteam bekommt 1.600 Weltranglistenpunkte“, hat Lima schon ausgerechnet. Damit will sie endlich Brasiliens drittbestes Team einholen.

 

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Ein Gedanke zu „Vize-Weltmeisterin bereitet sich in Berlin auf Beach-WM vor“

  1. Obwohl es im direkten brasilianischen Vergleich bei der WM in Wien leider nicht ganz zum Einzug ins Viertelfinale gereicht hat… ein sehr spannender, informativer Artikel über außerordentliche Sportlerinnen!

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